Kritik an der MPU

Im Laufe einer jahrzehntelangen Entwicklung hat sich in Deutschland - im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern - als Folge einer hier nicht zu übersehenden Entscheidungsangst, aber auch in Kenntnis kriminologischer Rückfallforschung ein besonders ausgeklügeltes, vielfach auf die Betroffenen zu streng, kalt und verurteilend wirkendes Begutachtungssystem entwickelt.

Insbesondere im Zusammenwirken mit äußerst langen Tilgungsfristen und Tilgungshemmungen von älteren Verstößen wird von den Betroffenen ein negatives Fahreignungsgutachten oftmals als zweite und dritte Verurteilung empfunden, das ihrer nach ihrer Auffassung inzwischen eingetretenen positiven Persönlichkeitsveränderung nicht genügend Rechnung trägt.

Auch von wissenschaftlicher Seite und vereinzelten Gerichtsentscheidungen werden gegen die derzeitige Begutachtungspraxis, vor allem auch, soweit auch psychologische Tests verwendet werden, durchaus gelegentlich Bedenken erhoben.

Eine nicht gerade geringe Zahl abweichender Zweit- und Obergutachten muss immer wieder Anlass sein, nicht jedes MPU-Gutachten einfach gläubig als absolute Wahrheit hinzunehmen. Die Schwierigkeit liegt darin, dass die letztliche Entscheidungszuständigkeit über die Fahreignung bei den Gerichten liegt. Richter sind aber keine Psychologen und daher ihrerseits auch wieder auf die Hilfe von Gutachtern angewiesen.

Außerdem müssen sie angesichts der tiefgreifenden Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen darüber wachen, dass gerade prognostische Beurteilungen ebenfalls höchsten wissenschaftlichen Gewissheitsansprüchen genügen müssen - eine in der Praxis nicht immer leichte Aufgabe. Denn Psychologie teilt mit der Rechtswissenschaft das Schicksal, eben keine exakte Naturwissenschaft zu sein, sondern immer wieder durch Wertungen zu Ergebnissen gelangen zu müssen.

Es ist unbestreitbar, dass es auch subjektive Faktoren in den Personen der Gutachter gibt, die sich nicht einfach systematisieren und dadurch neutralisieren lassen.

Angesichts der mit der Bewertung der MPU verbundenen Schwierigkeiten und der auch oft schwersten materiellen Folgen von Fehlbeurteilungen ist es nicht verwunderlich, dass sich in Deutschland eine Vielzahl von freischaffenden Psychologen und Instituten etabliert hat, die versuchen, im Vorfeld von MPU-Anordnungen und begleitend den Betroffenen dabei zu helfen, die Hürde einer MPU-Anordnung erfolgreich überwinden zu können.

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